Zur Vorgeschichte: 1984 war in Frankreich der Gedanke in die Tat umgesetzt worden, dem breiten, kunst- und 
kulturinteressierten Publikum das in Jahrhunderten entstandene, gepflegte bzw. zerstörte und wieder aufgebaute 
Kulturerbe zugänglich zu machen; einmal im Jahr sollten unter Denkmalschutz stehende Gebäude, die z.B. im 
Alltagsleben als Ministerien oder Börsenpaläste dienten, geöffnet werden, Eintritt frei! 

1991 machte sich der Europäische Rat (ER) diese Initiative zu eigen, Ungarn ist in diesem Jahr (18.–19. September) 
zum zwölften Mal mit von der Partie. Jahrein, jahraus folgen mehr Einrichtungen dem Aufruf und öffnen ihre Tore, 
jahrein, jahraus sind mehrere hunderttausend Ungarn auf die verborgenen Werte in ihrer unmittelbaren Umgebung, 
landesweit und in den letzten Jahren auch in den Nachbarländern neugierig; und nehmen dafür lange 
Warteschlangen in Kauf, um z.B. das Innenministerium am Pester Brückenkopf der Kettenbrücke von innen 
besichtigen zu können, oder zu sehen, wie und wo der Präsident der Republik Ungarn lebt: nämlich im 
klassizistisch-empire Palais Sándor im Budaer Burgviertel.

Über 700 Schauplätze in 270 Ortschaften Ungarns können am kommenden Wochenende im Rahmen der Tage des 
Kulturerbes besichtigt werden, die meisten mit Führung. In jedem Jahr gibt es, vom ER vorgeschlagen, ein 
Schwerpunktthema: Das waren z.B. die Industriedenkmäler, als erstmals die Keramik- und Porzellanmanufaktur 
Zsolnay im südungarischen Pécs zur Besichtigung einlud, oder  Burgen, Festungen, Schlösser, Herrenhöfe und 
Paläste, die Renaissance oder aber Sakralbauten. In diesem Jahr, am kommenden Wochenende steht die ungarische 
Reformzeit, das 19. Jahrhundert, im Fokus der Kulturerbetage.

Es war die Zeit, als nicht nur das Ungarische Nationalmuseum und der Sitz der Ungarischen Akademie der 
Wissenschaften gebaut wurden, sondern das Weichbild vieler Städte in Ungarn geprägt wurde, mit den 
charakteristischen Rathäusern, Wohnhäusern und Stadtpalästen des Hochadels wie dem Palais Festetics (seit 2001 
Sitz der Deutschsprachigen Universität Andrássy), wo schon am Freitag das Kulturerbewochenende festlich eröffnet 
wird. Es ist das Herzstück des Budapester Palastviertels mit den meisten Besichtigungsvorschlägen  – 25 Gebäuden 
und vier Spaziergängen – in Budapest.

In jedem Jahr öffnen weitere architektonische Kostbarkeiten und öffentliche Einrichtungen ihre Tore, so Botschaften 
oder z.B. das Ungarische Patentamt.

Einer Anekdote zufolge soll ein Budapester von einem Ausländer gefragt worden sein: Weshalb ist diese Stadt so 
groß und das Land, dessen Hauptstadt sie ist, so klein? Budapest der Wasserkopf. Die Antwort war dann nicht die – 
vom Spötter auch gar nicht erwartete – historische Erklärung, sondern lautete so: Ein Wasserkopf, ja, und der steht 
(uns) gut!

Mir fiel diese Anekdote ein, weil ich mich wieder einmal auf Budapest konzentriert habe, der des Ungarischen 
kundige Kunst- und Kulturfreund kann sich über alles, was am kommenden Wochenende erlebt werden kann, unter 
www.oroksegnapok.hu und in der Sonderausgabe von Pesti Est informieren.